Diese anderen Anderen

Das Glück der Anderen ist schön
Das Glück der Anderen ist schön

Von den Anderen habe ich ja schon oft berichtet und werde es auch weiterhin tun. Heute möchte ich mich jedoch mit den anderen Anderen auseinandersetzen, die zunächst mit den vorher erwähnten Anderen nicht viel gemeinsam zu haben scheinen, aber vielleicht doch mehr als man vermuten könnte. Wie anders diese anderen Anderen sind, möchte ich in diesem Text herausfinden.

Frage: “Was?! Die weiß noch nicht, was sie schreiben will, wenn sie anfängt?!”
Antwort: “Genau so ist es. Und da lasse ich mir von Anderen auch nicht ‘reinreden.”

Dies war der Auftakt zum Thema “Die anderen Anderen”.
Es wird Zeit für eine Erläuterun: Die Anderen, über die ich sonst meine, die jene, die uns fremd erscheinen. Heute möchte ich über die schreiben, die uns nah erscheinen, und doch weit weg sind. Die uns vorgehalten werden, als leuchtende Beispiele, denen man nachstreben soll, die erfolgreich in Beruf und Privatleben demonstrieren, wozu wir nicht fähig sind. Die uns schlaflose Nächte bereiten. Ich muss nicht das innerste meiner Seele offenbaren, um Beispiele zu nennen, wie diese Anderen bei mir aussehen.

“Susi Superschlau hat nach ihrem Abschluss gleich zwei Promotionsstellen angeboten bekommen, fünf Jahre in den USA, Japan und Frankreich verbracht und die Kontakte in die Menschenrechtsorganisation geknüpft, die ihr jetzt die gut bezahlte Leitungsposition anbietet. Du bist auch zu ihrem 25. Geburtstag im Berliner Geheimtipp-Club eingeladen.”

“Theo Tiefenentspannt hat sich aus dem kapitalistischen System ausgeklinkt und reist als freier Geist um die Welt, gerade schreibt er einen Blogartikel auf den Malediven und bleibt noch ein Weilchen, weil er so nette Leute kennengelernt hat. Geld ist kein Thema mehr für ihn, er kommt auch so gut durchs Leben.”

“Candy Coolemami sieht blendend aus, hat einen geilen Job, drei süße Kinder und einen umwerfenden Mann dazu. Diesen Sommer fährt sie mit dem Bus durch Europa, trifft ihre zahlreichen Freunde und kauft sich einen Resthof, baut dort Obst und Gemüse an und reitet mit ihrem Pferd in den Sonnenaufgang.”

Und schließlich der Endgegner:

“Emil Erfolgsautor kann vom Schreiben leben. Er ist zwar schwierig und keiner versteht ihn, aber alle lieben seine Bücher. Er kann sich verhalten wie ein exzentrischer Obervolltrottel, heruntergekommene Lagerhallen kaufen, Geld spenden, bei Szenefreunden in aller Welt übernachten… Es lebe die Kunst!”

Ich denke, jeder Mensch kennt diese Anderen. Es sei denn, es befinden sich Erleuchtete unter meinen Leser_innen, die mit sich selbst vollkommen im Einklang sind. Für diese zur Erläuterung: Es ist ja auch nicht so, dass wir tauschen wollen würden. Es ist nur so, dass wir denken, dass wir nicht genug sind. Die meisten von uns haben das gesunde Selbstbewusstsein, zu denken, es sei halt so im Leben. Die einen hätten mehr Glück als die Anderen. Hätten wir eine frühzeitige Förderung erhalten, Kontakte gehabt etc., vielleicht wären wir jetzt auch dort, wo wir nicht sind. Nachts fragen wir uns dann manchmal, ob es vielleicht doch wir der Grund sind. Unsere Faulheit, Dummheit, Unzulänglichkeit. Weil wir hässlicher, dicker, ungeschickter sind, haben wir den Moment verpasst.

Andere sehen auch noch gut aus
Andere sehen auch noch gut aus

Clevere Menschen wie ich (Achtung, keine Ironie!) setzen sich dann an den Schreibtisch, grübeln bis ihr Kopf raucht und stellen zum wiederholten Male fest, dass die Gedanken, die sie sich über die vermeintlich Besseren machen, genauso wirr und einseitig sind, wie die über die fremden Anderen, denen mit einer gesalzenen Portion Abneigung und Überlegenheit entgegengetreten wird. So wie es gerade Mode ist, Menschen mit Tipp- oder Rechtschreibfehlern zu dissen, ist es Mode, denen Recht zu geben, die flüssig und stilvoll schreiben können. In meinen Augen ist ein rassistischer Kommentar mit Rechtschreibfehlern genauso grausig und beunruhigend wie einer in den so viel beschworenen ganzen Sätzen. Ja, vielleicht sogar noch grausiger und beunruhigender, denn an einer mangelnden Bildung scheint die “Meinung” dann jedenfalls nicht zu liegen.

Aber ich kehre zurück zu den Geistern, die mich in den Nächten um den Schlaf bringen, die Nach-Urlaubs-Wehen wispern und flüstern, die Fohlenzeit sei nun vorbei, so langsam könne, sollte, müsste ich doch mal…
Nun, ich bin ja clever (hatte ich schon vollkommen ernst gemeint festgestellt, oder?)! Ich kann mich kritisch distanzieren. Susi, Theo, Candy und Emil haben alle psychische Probleme! Und ohne Valium wären sie nicht, wo sie heute sind. Außerdem haben sie unterm Bett lange nicht gefegt. Pfui Teufel!
Ihr seid auch clever. Ihr könnt euch auch kritisch distanzieren. Das Leben ist kein Wettbewerb. Die Erfolgsschablone dieser Gesellschaft stammt nicht vom lieben Gott. Andere kochen auch nur mit Wasser. Oder baden darin.

PS: Und macht ruhig mal einen Rechtschreibfehler. Aber bitte hört mit diesem salonfähigen Rassismus auf, der ist echt stumpf.

6 thoughts on “Diese anderen Anderen

  1. Meine Anderen sind genau dieselben. 🙂 Da sind ja die, die einem ständig vorgeführt werden, die anderen Anderen (die irgendwie so sind wie man selber) hört man ja nichts… Gut geschrieben! Herzlichst, lara palara

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